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... Millennia
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Sylvio Konkol

Millennia


Vorwort

Als Inspiration diente mir die zweite CD des Doppelalbums “Aerial” von Kate Bush, insbesondere die beiden Lieder “An Architect’s Dream” und “The Painter’s Link”! Ohne diese gäbe es den folgenden Text nicht!
Darüber hinaus bleibt mir nur noch zu sagen, dass diese Kurzgeschichte einer ganz außergewöhnlichen Person gewidmet ist...


Millennia

Ich erwachte auf dem Boden liegend und ich wusste nicht, wo ich war...

Erst sah ich nur den Himmel über mir – blassgelb war er – und hier und da wenige, zarte Wolken. Unter mir und neben mir wuchs saftig grünes Gras, wiegte sanft im Winde sich. An mein Ohr indessen drang ein fernes Rauschen – das Meer, so glaubte ich. Das Meer. Zwei Vögel flogen über mir hinweg, zwei kleine schwarze Schatten am sonst so hellen Himmel.
Seltsam war, dass ich nicht sofort mich aufrichten wollte, fühlte ich mich doch wohl, dort wo ich lag. Als ich dann aber doch vom Boden mich erhob, da sah ich staunend und verwundert mich um: Ich war umgeben von kleinen, weichen Hügeln überall! Grasbewachsen und scheinbar sich bewegend mit dem Wind... Nach der Richtung aus welcher jener wehte – und wo auch die Sonne stand, tief am Horizont, doch ihn noch nicht berührend – schienen diese Hügel kleiner noch zu werden und nur vereinzelt konnte ein paar Bäume ich sehen.
Und bald schon lief ich in diese Richtung, welche die einzig Wahre sein konnte..., ich ging der Sonne nach und dem Meer, dem Wind entgegen! Ich lief hinweg über Hügel, immer wieder, immer wieder... Hügel, die steil genug gerade waren, um als anstrengend zu gelten – zu niedrig jedoch, als dass sie einen Überblick mir hätten verschaffen können. Meine Gedanken hingegen waren klar wie nie. Ich fühlte mich gut, beruhigt..., obwohl ich verwirrt hätte sein sollen.
Später glaubte ich, das Meer bereits erahnen zu können – ein anderes Gelb tief unten, etwas dunkler nur und funkelnd. Schaute ich dagegen hinter mich, so war mir, als sehe ich die hellgrauen Silhouetten hoher Berge, weit entfernt am Horizont und feinem Nebel gleich.
Ich ging weiter und obgleich ich des Laufens nicht müde wurde und die Sonne dem Horizont kaum näher war als zuvor, so war mir doch, als liefe ich seit Stunden schon. Einzig das Rauschen der Wellen wurde lauter immerzu.
Doch irgendwann, als die Hügel fast winzig schon waren, selten höher jetzt als nur zwei Meter, da sah ich das Meer, zum Greifen nahe nun! Doch sah ich mehr noch..., sah am Fuße des Hügels auf welchem ich nun stand ein gläsernes Gebäude von seltsamer Schönheit!
Das honiggelbe Licht der Sonne brach durch die Fenster, das sich wiegende, grüne Gras spiegelte sich darin. Perfekt fügte der anmutig geformte und organisch wirkende Bau wie ein Kunstwerk in die Landschaft sich ein, war teils wie die Wellen, teils wie Hügel.
Ganz aus Glas bestand die Fassade, aus etwas mehr als mannshohen, rechteckigen Scheiben, die eingefasst in schlichte, graue Rahmen die Umrisse einer ungleichmäßig geformten, voll ausgefüllten Acht in etwa bildeten. Unterbrochen wurde die Fensterfront an einer einzigen Stelle nur, von einem großen, grauen Block aus Beton, der aber auf keinen Fall störend dort wirkte, sondern dem sonst so federleichten, fast nicht greifbar scheinenden Gebäude genau die Festigkeit gab – die Verbindung zur Erde – die ihm sonst hätte gefehlt.
Das flache Dach indessen war ebenso schlicht und grau, hier und da nur unterbrochen von eher kleinen, quadratischen Fenstern. Ins Innere des Hauses sehen konnte ich übrigens kaum, konnte mehr nicht erkennen, als einen hellen, möglicherweise hölzernen Fußboden.
Ohne lang noch zu zögern ging ich den an jener Stelle recht steilen Hang nach unten – hatte Mühe nicht zu stürzen – und suchte dann nach einer Tür. Ich dachte wenig nur an mögliche Bewohner oder den Zweck des Gebäudes. Es war irgendwie genau was ich im Moment mir wünschte, war die einzig richtige Sache, am einzig richtigen Ort.
Bald erreichte ich den Gebäudeteil aus Beton, der an den Stamm eines Baumes mich nun erinnerte, an die stabile Grundlage, von der aus eine filigrane Krone sich erstreckt zum Himmel. Die Tür, die ich hatte gesucht, befand sich hier, war ebenso aus Glas.
Und jetzt zögerte ich doch noch und ich sah hinüber zum Meer, welches ich noch kaum hatte betrachtet, obwohl es gut sichtbar längst war. In tiefer Ruhe Welle um Welle den nun nahen Strand erreichte...

Dann aber öffnete ich die Tür, die wie selbstverständlich nicht verschlossen war, und ich ging hinein in das Gebäude – das da leer war.
Sogleich verließ ich den auch im Inneren nur grauen und schmucklosen Eingangsbereich und trat auf das helle, saubere Parkett, das den Fußboden des einzigen Raumes bedeckte. Mittlerweile vermochte das Meeresrauschen nur sehr gedämpft noch an mein Ohr zu dringen und eigentlich jetzt erst fiel mir auf, wie laut es am Ende doch im Freien war gewesen.
Die Luft im Haus jedoch war frisch und rein und roch nach Meer und war vermutlich wenig wärmer nur als draußen auch. Fast glaubte man, sich im Inneren eines Gebäudes überhaupt nicht zu befinden, denn nach einer jeden Richtung hin konnte man nach draußen schauen, durch klare, makellos saubere Fenster hindurch.
Vom Eingang aus nach links blickend, sah ich sonst nichts als das wunderbare Meer – eingerahmt von Hügeln – und blickte ich nach rechts, so sah ich der letztgenannten viele. Und mehr noch – ich sah das einzige Möbelstück, dem das Gebäude einen Platz gewährte.
Ein großer, perlweißer Sessel befand sich inmitten der dem Land zugewandten Hälfte des Raumes, doch gerichtet auf das Meer. Ich zögerte nicht, sondern setzte mich und bequem war der Platz, ganz wie für mich gemacht.
Meine Blicke fielen auf die Wellen, die langsam auf den Strand sich zubewegten..., auf die Sonne, die nun zur Hälfte hinter dem Horizont sich schon wähnte..., und ebenso auf das sich wiegende Gras hinter den Fenstern. Sonst tat ich vorerst nichts, doch wollte ich mehr auch nicht tun – es reichte mir..., war wunderbar, war perfekt sogar! Ich saß also dort, Minute um Minute, bis die Sonne dann schon gar nicht mehr zu sehen war und ziemlich bald, da würde tiefe Dunkelheit über diese Welt sich legen.
Dies denkend lehnte ich ganz mich zurück und lauschte dem Rauschen des Meeres, dem Schrei der Vögel, dem Wind, der um das elegant geformte Haus seinen Weg sich bahnte. Ich fühlte mich nun am Ende eines Weges, fühlte mich am mir vorbestimmten Ziel. Ich gab nun völlig meinen Gefühlen mich hin und bald schon formten meine Lippen Worte – die ersten, seit zwischen den Hügeln ich war erwacht: “Sie ist mir eine Königin, wahrhaftig!”
Die Nacht brach schnell herein und jener eine Satz, er sollte der letzte gewesen sein, den ich jemals habe gesprochen. Am Himmel, genau dort, wo vorher noch die Sonne stand, da erhob sich jetzt der weiße Vollmond – ein einziger Farbtupfer inmitten einer Welt, die nicht honiggelb noch länger war, sondern gehüllt nun in samtweiches Blau.
Noch immer sah ich hinaus und sah wie die Wellen den Strand wie vorher berührten..., doch ein wenig heftiger nun und auch der Wind, er schien mir stärker. Die kleinen grünen Hügel hatten in schwarze Schatten sich verwandelt, doch wirkten sie gleichsam harmlos – und einer flauschigen Decke ähnlich, schienen sie das Gebäude und mich selbst zu umhüllen.
Spätestens dann, als auch der Himmel sich verdunkelte, dichte Wolken das mir fremde Sternenzelt bedeckten, da wich jede Art von Einsamkeit bald völliger Geborgenheit.
Erste Regentropfen begannen auf das Dach zu fallen und eine Melodie entstand, die das Meeresrauschen nun zwar übertönte, doch eigentlich viel schöner noch war und in den Schlaf mich irgendwann auch wiegen sollte. Ein jeder Klang beruhigte mich mehr und bald schon, da umhüllte ein Traum meine Seele...

Ich kann seither träumen von ihr, seit ungezählten Jahren schon...

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